Nachruf auf Bürgermeisterin a.D. Dr. Bärbel Steinkemper

Wir haben aus unserer Mitte einen lieben, hochengagierten politischen Menschen verloren. Als Christin und Mutter von drei Kindern war es Dr. Bärbel Steinkemper zusammen mit ihrem ebenfalls engagierten Mann ein großes Anliegen, sich für die Menschen in ihrer neuen Heimat und die Entwicklung der Gemeinde Alfter und ganzen Region einzusetzen.
Die gebürtige Wuppertalerin, studierte Diplom-Volkswirtin und promovierte Politologin kam über den Umweg Adenauer Stiftung nach Alfter. Bärbel Steinkemper trat 1979 der CDU bei, insbesondere auch wegen der engagierten Frauen-Union. Sie wollte Frauen sichtbarer machen und für die Politik gewinnen. Sie selbst ging mit gutem Beispiel voran und wurde Vizepräsidentin der Europäischen Frauen-Union und Vorsitzende der Deutschen Sektion.
1989 kandidierte sie erfolgreich als Nachfolgerin von Heinrich Arenz als ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Alfter. 1997, als das Bürgermeisteramt in Alfter ein hauptamtliches wurde, stellte sie sich auch dieser Verantwortung bis 2009. Sie wurde damit nicht nur zur ersten hauptamtlichen Bürgermeisterin der Gemeinde Alfter, sondern auch im Rhein-Sieg-Kreis gewählt, immer wieder direkt im ersten Wahlgang ausgestattet mit dem überwiegenden Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger Alfters. So hat sie dieses Amt 22 Jahre mit viel Herzblut und vielen erfolgreichen Projekten ausgefüllt.
Die Vernetzung in der Region, nicht gegen- sondern miteinander, prägten ihre Arbeit. So fiel in ihre Amtszeit unter anderem die regionale und städtische Weichenstellung für Förderprojekte wie das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept – ILEK mit den linksrheinischen Kommunen sowie die Stärkung der Strukturen der 1969 neu formierten Großgemeinde Alfter.
Als eine der ersten Kommunen in unserer Region hat Bärbel Steinkemper eine konsequente Umweltplanung begonnen, so das regional wegweisende Umweltkonzept Grünes C, das Gemeindeentwicklungskonzept, die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans im Jahr 2009, immer mit Beteiligung der Bürger. Sie wollte die Menschen mitnehmen.
Sie wollte Familien, Kindern und Jugendlichen eine bessere Zukunft ermöglichen: Neue Kindergärten, Familienbildungszentren, Einführung der OGS, Bau und Sanierung von Sport- und Spielflächen. Steinkemper hat dafür gesorgt, dass Alfter zu den ersten Kommunen zählte, die eine Betreuung für Grundschulkinder einführte.
Für sie war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine leere Worthülse, sondern ein politischer Auftrag.
Die Stärkung der Dorfmittelpunkte, die Förderung des Dorfgemeinschaftshauses Gielsdorf, ihre starke Unterstützung für den Ausbau der Alanus-Hochschule, die Schaffung neuer Wohngebiete für Familien, die Stärkung des ÖPNV-Angebots sind hier besonders zu nennen. Die Verbesserung der Verkehrssituation stand ebenso auf ihrer Agenda. So konnten z.B. in ihrer Amtszeit die K12n als Ortsumgehung, die Alma-Brücke, die Tieferlegung der B56 unter der S-Bahn realisiert werden.
Es ist Bärbel Steinkemper gelungen, den Spagat zwischen wirtschaftlicher und städtebaulicher Entwicklung im Einklang mit dem Landschaftsschutz zu schaffen. Ihr Anliegen war es, die Wirtschaft zu stärken und wohnortnahe Arbeitsplätze zu ermöglichen, ohne die Umwelt zu vernachlässigen. Erinnert sei nur an das Gewerbegebiet Witterschlick Nord, die Vorplanungen für Alfter-Nord und die zahlreichen Gewerbeschauen am Rathaus.
Um unsere Region attraktiver zu machen und damit auch die Hotellerie und Gastronomie zu unterstützen hat sie zusammen mit den Nachbarkommunen den Verein Rhein-Voreifel Touristik (RVT) gegründet. Zehn Jahren hat sie als Vorsitzende von 2004 bis 2014 diese Arbeit erfolgreich vorangetrieben. 2014 wurde Dr. Bärbel Steinkemper in Anerkennung dieses Einsatzes zur Ehrenvorsitzenden gewählt.
Die Unterstützung der Vereine, der Feuerwehr, der Kultur, der Jugendarbeit, des DRK, des Partnerschaftsvereins Alfter-Châteauneuf sur Charente gehörten zu ihrem täglichen Geschäft, so wie vieles andere.
Sie hat mit Gemeinderat und Verwaltung immer gut zusammengearbeitet und dadurch viel Unterstützung erfahren können. Das lag auch an ihrer menschlichen Art, dem fairen Umgang miteinander.
Im Oktober 2008 kündigte sie nach einem persönlichen Reifungsprozess überraschend an, bei der Kommunalwahl 2009 nicht erneut für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. 2009 übergab sie das Amt an ihren Nachfolger Dr. Rolf Schumacher, der viele von Steinkemper initiierte Projekte erfolgreich weiterführen konnte.
Nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik zog sich Bärbel Steinkemper nicht aus dem Gemeindeleben zurück. Ihre Bilanz ist stark durch ihr ehrenamtliches Engagement geprägt. Die Kontakte in die Vereine und zu den Menschen waren ihr sehr wichtig.
Das Haus der Alfterer Geschichte wurde ein neues großes Aufgabenfeld. Sie übernahm den Vorsitz 2018 von Werner Jaroch und war bis zum Schluss Vorsitzende des Fördervereins. Unter ihrer Leitung widmet sich der Verein der Bewahrung und Erforschung der Ortshistorie, dem Aufbau von Sammlungen und historischen Projekten.
Zeit für ihren Sport, dem Reiten, der ihr auch Gelegenheit zur Entspannung gab, fand sie viel zu wenig. Sie war für die Menschen da. Für uns!
Liebe Bärbel, wir vermissen Dich und danken Dir für Deinen jahrzehntelangen Einsatz zum Wohl unserer Gemeinde, unserer Bürgerinnen und Bürger.
Wir werden Dich in ehrender und dankbarer Erinnerung behalten.
Unser Mitgefühl gehört der trauernden Familie.